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09.4. Fragen?


Hier finden Sie häufige Fragen (FAQ) - und die entsprechenden Antworten *)



Muss ich für die Psychotherapie etwas bezahlen?

 Normalerweise "nein": Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen die gesetzliche Krankenversicherung es ermöglicht, für eine Psychotherapie nichts zuzahlen zu müssen. (Nur wenn man zu einem Termin nicht erscheint, ohne rechtzeitig abzusagen, fallen Kosten an.) Es sind aber im Ausnahmefall Sonderwünsche möglich, die dann zu bezahlen sind, weil die gesetzliche Krankenkasse sie nicht finanziert. (Z.B. schriftliche Nachweise, Elterngespräche per Telefon, besondere Therapieformen u.a.) Nicht gesetzlich Versicherte, also z.B. privat Versicherte oder Beihilfeberechtigte, können von ihrem Kostenträger erfahren, ob sie etwas zuzahlen müssen. "Versteckte Kosten" gibit es nicht!

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Wann muss ich meine "Gesundheitskarte" (Karte von der Krankenkasse) mitbringen?

  Für gesetzlich Versicherte gilt: Erstmals zur ersten Therapiestunde und später dann immer zur ersten Therapiestunde nach Quartalsbeginn. (Quartalsbeginn ist immer der 01.01., der 01.04., der 01.07. und der 01.10. eines Jahres.) Privat Versicherte möchten zu Anfang der Therapie bitte ihre Versichertenkarte mitbringen.

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Kann ich sicher sein, dass der Therapeut nichts weitererzählt?

  Ja! Denn der Therapeut hat Schweigepflicht. Auch die Eltern erfahren nicht, was bspw. ein Jugendlicher/eine Jugendliche dem Therapeuten anvertraut. Es ist aber auch möglich, dass der Patient den Therapeuten von der Schweigepflicht entbindet - z.B. für den fachlichen Austausch mit Ärzten.

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Kann man mit Psychotherapie Schulnoten verbessern?

 Ja,  unter Umständen schon. Wenn die Ursache für die schlechten Leistungen beispielsweise Konzentrationsprobleme oder Lernblockaden sind. Wissenslücken können allerdings nicht ausgeglichen werden.
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Muss ich für die Therapie Hausaufgaben machen?

  Nein, die Therapie ist keine Schule. Allerdings kann es u.a. hilfreich sein, die eigenen Gefühle im Alltag aufmerksamer zu beobachten.

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Bin ich noch "normal", wenn ich zur Therapie gehe?

 Manchmal tauchen Fragen auf, ob jemand, der zur Therapie geht, vielleicht "nicht normal" sei. Hinter solchen Fragen stehen oft Befürchtungen, ausgelacht zu werden, ausgegrenzt zu werden, benachteiligt zu werden, nicht dazu zu gehören oder gemobbt zu werden. (Und in der Vergangenheit gab es in Deutschland ja auch Zeiten, wo es wirklich gefährlich war, nicht "normal" zu sein. Und vermutlich haben auch heute noch solche Ängste ein wenig mit dieser Vergangenheit zu tun.) Aber heutzutage ist Psychotherapie eine ganz "normale" Heilbehandlung, so wie der Besuch beim Arzt. Und bei bestimmten Problemen, vor allem bei solchen, die mit Gefühlen zusammenhängen, kann Psychotherapie helfen. Leider gibt es aber immer wieder Kinder oder Jugendliche, die andere ärgern, hänseln oder mobben wollen. Sie suchen oft nach irgendeinem Grund dafür: Mal ist es die Kleidung, die Körpergröße, die Frisur oder etwas anderes. Und manchmal auch, wenn jemand zur Therapie geht. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, nur denjenigen Leuten von der Therapie zu erzählen, denen man wirklich vertrauen kann.


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Welche Therapie-Form ist die beste?

 Es gibt zwar sehr viele verschiedene Therapieformen, aber für gesetzlich Versicherte stehen zurzeit in der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie drei sehr vielseitige und wissenschaftlich fundierte Therapieverfahren zur Verfügung: Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die analytische Psychotherapie und die Verhaltenstherapie. Dabei ist es aber nicht  so, dass die Wahl des Psychotherapie-Verfahrens nur von der Diagnose abhängt. Sondern es spielen auch vielfältige andere Aspekte eine Rolle. Deshalb sollte die Frage des Therapieverfahrens in der persönlichen Sprechstunde besprochen werden.

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Braucht man bei Verhaltensproblemen eine Verhaltenstherapie?

 Die Bezeichnung "Verhaltenstherapie" wird manchmal missverstanden. Sie benennt eine komplette Therapieschulrichtung mit entsprechender theoretischer Fundierung, aber nicht eine bestimmte Gruppe von psychischen Problemen. Verhaltensprobleme werden grundsätzlich im Rahmen verschiedenartiger therapeutischer - und auch pädagogischer - Ansätze bearbeitet. Die analytische und die tiefenpsychologisch fundierte Therapie berücksichtigen hierbei auch unbewusste Dynamiken

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Ist es besser, zu einer Frau als Psychotherapeutin, oder zu einem Mann als Psychotherapeutem zu gehen?

 Oft bestehen oberflächliche Vorurteile, - z.B. bei einem Mädchen sei eine Frau besser, und bei einem Jungen ein Mann. - Das kann man aber nicht pauschal so sagen. Die Entscheidung "Therapeut" oder "Therapeutin" ist oft wichtiger für die Therapie, als man denkt. Denn sie muss in Zusammenhang mit der vorliegenden psychischen Problematik und mit der individuellen Lebensgeschichte gesehen werden. Diese Frage sollte vor einer Entscheidung also am besten in der psychotherapeutischen Sprechstunde fachlich geklärt werden.

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Kann ich mit meinem Partner/meiner Partnerin gemeinsam Therapie machen?

 Grundsätzlich ja. Die Kosten für Paartherapie werden aber nicht von gesetzlichen Kassen übernommen. Allerdings ist es möglich, im Rahmen von Therapien mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in begrenztem Umfang Bezugspersonen einzubeziehen. Dies können Eltern sein oder andere Verwandte, nahe Freunde, oder auch z.B. nahe stehende Lehrer - und eben auch Parnerinnen oder Partner.

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Kann ich Freunde zur Therapie mitbringen?

  Normalerweise nicht. Auf jeden Fall muss man das vorher absprechen.

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Können Geschwister bei demselben Therapeuten parallel behandelt werden?

  Nein. Jedes Kind braucht einen eigenen Therapeuten; ansonsten können problematische psychische Dynamiken entstehen.
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Kann ich mein Haustier zur Therapie mitnehmen?

  Nein, normalerweise nicht. Falls das Haustier eine besondere Bedeutung hat, ist es aber möglich, dies Thema zuvor abzusprechen. 

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Besteht die Gefahr, dass sich durch die Therapie die Persönlichkeit verändert?

 Bei der Therapie geht es nicht darum, dass man ein anderer Mensch wird. Sondern es geht darum, dass man als der Mensch, der man im Grunde ist, besser klar kommt. Auf dem Weg dorthin kann es auch sein, dass sich bestimmte Wahrnehmungs- und Verhaltensgewohnheiten positiv verändern. Aber Psychotherapie ist keine "Gehirnwäsche".

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Müssen Kinder und Jugendliche bei der Psychotherapie auf der Couch liegen?

  Nein. Es stehen Spiele, gestaltende Aktivitäten und Gespräche im Vordergrund. 

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Kann Psychotherapie auch schädlich sein?

 Manchmal befürchten Patienten, dass durch eine Psychotherapie "alles nur noch schlimmer" werden könnte. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit - z.B. in den 1970er und 1980er Jahren - psychotherapeutische Experimente, bei denen Patienten nicht ausreichend geschützt waren. Inzwischen hat man dazu gelernt: Heute lernt ein fundiert ausgebildeter  Psychotherapeut den behutsamen Umgang mit "alten Wunden". Dadurch bleiben Patientinnen und  Patienten im Alltag möglichst handlungs- und leistungsfähig. Dennoch sind gewisse Risiken - wie bei anderen gesundheitlichen Behandlungen - nie völlig auszuschließen. Bei "Hobbytherapeuten" ohne entsprechende  Ausbildung ist es aber  sinnvoll, vorsichtiger zu sein.

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Sind die Eltern bei der Kindertherapie dabei?

 Nur bei sehr jungen Kindern. Später kommen die Eltern und die Kinder zu verschiedenen Terminen. Bei älteren Jugendlichen finden oft kaum noch Elternstunden statt.

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Was mache ich, wenn der Therapeut bei mir bestimmte Emotionen auslöst?

  Das ist ein ganz normaler Vorgang während einer Therapie. Manchmal erscheinen solche Reaktionen auch schwer erklärlich, "unlogisch" oder peinlich - gerade z.B. Ärger, Ungeduld oder Wut. Dennoch sollten solche Emotionen nach Möglichkeit frühzeitig dem Therapeuten mitgeteilt werden. Denn dies ermöglicht u.U. ein gezielteres therapeutisches Arbeiten. Solche Emotionen haben nämlich oft unbewusste Ursachen, die unter Umständen auch an der Erkrankung beteiligt sind.

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Macht Psychotherapie abhängig?

 Nein, sofern der Therapeut fachgerecht und professionell arbeitet, entlässt er den Patienten am Therapieende in eine dem Alter und den individuellen Umständen entsprechende Eigenständigkeit.

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Sind psychisch auffällige Kinder nicht häufig nur Symptomträger für die Probleme der Eltern?

  Psychotherapie ist eine Heilbehandlung. Wenn ein Kind krank ist, braucht es normalerweise Hilfe. Auch die Eltern werden bei der Kindertherapie in begrenztem Umfang therapeutisch einbezogen. Falls erforderlich, wird ihnen darüber hinaus eine eigene Therapie angeraten.

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Ist mein Kind bei dem Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten "in guten Händen"?

 Diese Frage ist zumeist ein Zeichen von Verantwortung und Fürsorglichkeit. Wenn Sie also Zweifel haben, dann scheuen Sie sich bitte nicht, den Therapeuten direkt darauf anzusprechen. Und hören Sie am besten auf Ihr Gefühl, damit die "Chemie" mit dem Therapeuten auch wirklich "stimmt", sodass Sie - und ggf. Ihr Kind - sich gut aufgehoben und verstanden fühlen. Denn nicht jeder Psychotherapeut oder jede Psychotherapeutin passt zu allen Patientinnen und Patienten. In der ersten Sprechstunde bei jüngeren Kindern sind die Eltern für gewöhnlich mit dabei. Und bei den ersten Einzelstunden mit dem Kind wird in meiner Praxis immer sicher gestellt, dass eine vertraute Person in der Nähe bleibt und telefonisch erreichbar ist. Bedenken Sie bitte auch, dass Sie vermutlich auch sonst Ihr Kind immer wieder mal "allein" lassen: Im Kindergarten, in der Schule, beim Sport, beim Musikunterricht, in der Nachhilfestunde... Und: Anders als bei den meisten anderen Berufsgruppen muss ein Psychotherapeut meiner Fachrichtung in seiner Ausbildung eine sehr umfassende und gründliche Eigentherapie durchlaufen, bevor er für den Beruf zugelassen wird. Die Psychotherapeuten-Ausbildung selbst ist sehr gründlich und fundiert: Sie setzte ein komplettes medizinisches, psychologisches oder pädagogisches Studium voraus, umfasste vielfältigste theoretische und praktische Studienelemente und schloss mit einer staatlichen Prüfung ab. Selbstständig praktizierende Psychotherapeuten müssen regelmäßig Fortbildungen nachweisen. Die angewandten  Therapiemethoden sind wissenschaftlich anerkannt.

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Kann mich der Therapeut darin unterstützen, mein Kind nach meinen Überzeugungen zu erziehen?

 Immer wieder treten zwischen Kindern und ihren Eltern Konfliktsituationen auf. Diese zwischenmenschlichen Reibungspunkte sind oft nötiger Teil der Entwicklung. Wenn man einander aus dem Weg geht, vollzieht sich hierdurch wenig inneres Wachstum. Als Therapeut berücksichtige ich Überzeugungen von Eltern ebenso wie die Bedürfnisse von Kindern. Zugleich lege ich Eltern auch immer nahe, allzu enge Vorstellungen - vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biografie - gelegentlich auf den Prüfstand zu stellen.

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Ist eine Psychotherapie nicht eher etwas für "Weicheier" und "Warmduscher"?

 Psychotherapie ist v.a. eine Heilmethode. Auch besonders "coole" Jungs und Mädels können psychische Probleme bekommen- oft auch psychosomatische.

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Brauchen viele Jugendliche statt einer Therapie nicht einfach Willenskraft und Selbstdisziplin?

  Hinter Erscheinungsformen von scheinbarer Trägheit, Faulheit oder Herumhängen können sich oft motivationale Defizite verbergen, die ihre Ursache bspw. in Identitäts- und Selbstwertproblemen, oder auch in depressiven Tendenzen haben können. Willenskraft und Selbstdisziplin mögen dort helfen, wo es um bewusste Abläufe geht. Sobald aber unbewusste Anteile, etwa in Form von inneren Konflikten, beteiligt sind, empfiehlt es sich meiner Überzeugung nach, eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, die diese berücksichtigt.


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*) Ich bitte um Verständnis, dass trotz großer Sorgfalt keine rechtsverbindliche Verantwortung für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität oder Qualität der Antworten und deren Nutzung oder Nichtnutzung übernommen werden kann. Bitte wenden Sie sich im Zweifelsfall mit Ihren Fragen direkt an die Praxis.