09.4. Fragen?

Hier finden Sie häufige Fragen (FAQ) - und die entsprechenden Antworten


Was ist besser: Gruppentherapie oder Einzeltherapie?

So allgemein lässt sich das leider nicht beantworten. Vor allem, wenn Probleme im Kontakt mit ungefähr Gleichaltrigen eine Rolle spielen, kann Gruppentherapie oft helfen. Denn in der Gruppe werden typische eigene Verhaltens- oder Erlebensgewohnheiten gegenüber anderen leichter deutlich, die man dann auch gut in der Gruppe bearbeiten kann.  Und ganz allgemein kann es auch schon mal sehr entlastend sein, zu erleben, dass andere auch ähnliche Themen haben, wie man selber, und dass man darüber miteinander reden kann. Für manche Menschen kann eine Gruppenpsychotherapie aber auch erst mal eine Überforderung sein. Das gilt vor allem dann, wenn jemand noch zu wenig auf andere eingehen kann. Dann ist es sinnvoll, vor einer Gruppentherapie eine Einzeltherapie zu machen, um die Voraussetzungen zu entwickeln, die man für eine Gruppe braucht; man spricht hier von "Gruppenfähigkeit".  Die Entscheidung "Gruppentherapie oder Einzeltherapie" ist also nicht ganz einfach, aber man muss das auch nicht allein entscheiden. Vor einer Gruppentherapie findet in meiner Praxis nämlich mindestens ein Einzelgespräch zur Beratung statt; außerdem gibt es dann zu Anfang einer Gruppentherapie immer auch einige Probestunden, die bei der Entscheidung helfen können. Und manchmal wird auch eine Kombination von Einzel- und Gruppenpsychotherapie empfohlen. Übrigens: Immer wieder höre ich von der Befürchtung, dass man sich in der ersten Gruppentherapiestunde vielleicht vor den anderen vorstellen müsse, und dabei vor allen anderen auch gleich seine Probleme "outen" müsse. Das ist aber bei meiner Gruppentherapieform nicht so. In dieser Gruppentherapie steht nämlich mehr das aktuelle gemeinsame Miteinander im Vordergrund. (In einem unverbindlichen Telefonat beantworte ich gerne weitere allgemeine Fragen zur Gruppenpsychotherapie.)

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Macht Psychotherapie abhängig?

► Nein, sofern der Therapeut fachgerecht und professionell arbeitet, entlässt er den Patienten am Therapieende in eine dem Alter und den individuellen Umständen entsprechende Eigenständigkeit.

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Sind die Eltern bei der Kindertherapie dabei?

► Nur bei sehr jungen Kindern. Später kommen die Eltern und die Kinder zu verschiedenen Terminen. Bei älteren Jugendlichen finden oft kaum noch Elternstunden statt.

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Was mache ich, wenn der Therapeut bei mir bestimmte Emotionen auslöst?

 ► Das ist ein ganz normaler Vorgang während einer Therapie. Manchmal erscheinen solche Reaktionen auch schwer erklärlich, "unlogisch" oder peinlich - gerade z.B. Ärger, Ungeduld oder Wut. Dennoch sollten solche Emotionen nach Möglichkeit frühzeitig dem Therapeuten mitgeteilt werden. Denn dies ermöglicht u.U. ein gezielteres therapeutisches Arbeiten. Solche Emotionen haben nämlich oft unbewusste Ursachen, die unter Umständen auch an der Erkrankung beteiligt sind.

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Kann ich Freunde zur Therapie mitbringen?

 ► Normalerweise nicht. Auf jeden Fall muss man das vorher absprechen.

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Wann muss ich meine Gesundheitskarte mitbringen?

 ► Für gesetzlich Versicherte gilt: Erstmals zur ersten Therapiestunde und später dann immer zur ersten Therapiestunde nach Quartalsbeginn. (Quartalsbeginn ist immer der 01.01., der 01.04., der 01.07. und der 01.10. eines Jahres.) Privat Versicherte möchten zu Anfang der Therapie bitte ihre Versichertenkarte mitbringen.

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Können Geschwister bei demselben Therapeuten parallel behandelt werden?

 ► Nein. Jedes Kind braucht einen eigenen Therapeuten; ansonsten können problematische psychische Dynamiken entstehen.

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Kann ich mein Haustier zur Therapie mitnehmen?

 ► Nein, normalerweise nicht. Falls das Haustier eine besondere Bedeutung hat, ist es aber möglich, dies Thema zuvor abzusprechen. 

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Sind psychisch auffällige Kinder nicht häufig nur Symptomträger für die Probleme der Eltern?

 ► Psychotherapie ist eine Heilbehandlung. Wenn ein Kind krank ist, braucht es normalerweise Hilfe. Auch die Eltern werden bei der Kindertherapie in begrenztem Umfang therapeutisch einbezogen. Falls erforderlich, wird ihnen darüber hinaus eine eigene Therapie angeraten.

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Kann ich mit meinem Partner/meiner Partnerin gemeinsam Therapie machen?

► Grundsätzlich ja. Die Kosten für Paartherapie werden aber nicht von gesetzlichen Kassen übernommen. Allerdings ist es möglich, im Rahmen von Therapien mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in begrenztem Umfang Bezugspersonen einzubeziehen. Dies können Eltern sein oder andere Verwandte, nahe Freunde, oder auch z.B. nahe stehende Lehrer - und eben auch Parnerinnen oder Partner.

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Besteht die Gefahr, dass sich durch die Therapie die Persönlichkeit verändert?

► Bei der Therapie geht es nicht darum, dass man ein anderer Mensch wird. Sondern es geht darum, dass man als der Mensch, der man im Grunde ist, besser klar kommt. Auf dem Weg dorthin kann es auch sein, dass sich bestimmte Wahrnehmungs- und Verhaltensgewohnheiten positiv verändern. Aber Psychotherapie ist keine "Gehirnwäsche".

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Kann man mit Psychotherapie Schulnoten verbessern?

► Ja unter Umständen schon. Wenn die Ursache für die schlechten Leistungen beispielsweise Konzentrationsprobleme oder Lernblockaden sind. Wissenslücken können allerdings nicht ausgeglichen werden.

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Muss ich für die Therapie Hausaufgaben machen?

 ► Nein, die Therapie ist keine Schule. Allerdings kann es u.a. hilfreich sein, die eigenen Gefühle im Alltag aufmerksamer zu beobachten.

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Kann mich der Therapeut darin unterstützen, mein Kind nach meinen Überzeugungen zu erziehen?

► Immer wieder treten zwischen Kindern und ihren Eltern Konfliktsituationen auf. Diese zwischenmenschlichen Reibungspunkte sind oft nötiger Teil der Entwicklung. Wenn man einander aus dem Weg geht, vollzieht sich hierdurch wenig inneres Wachstum. Als Therapeut berücksichtige ich Überzeugungen von Eltern ebenso wie die Bedürfnisse von Kindern. Zugleich lege ich Eltern auch immer nahe, allzu enge Vorstellungen - vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biografie - gelegentlich auf den Prüfstand zu stellen.

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Braucht man bei Verhaltensproblemen eine Verhaltenstherapie?

► Die Bezeichnung "Verhaltenstherapie" wird manchmal missverstanden. Sie benennt eine komplette Therapieschulrichtung mit entsprechender theoretischer Fundierung, aber nicht eine bestimmte Gruppe von psychischen Problemen. Verhaltensprobleme werden grundsätzlich im Rahmen verschiedenartiger therapeutischer - und auch pädagogischer - Ansätze bearbeitet. Die analytische und die tiefenpsychologisch fundierte Therapie berücksichtigen hierbei auch unbewusste Dynamiken

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Kann ich sicher sein, dass der Therapeut nichts weitererzählt?

 ► Ja! Denn der Therapeut hat Schweigepflicht. Auch die Eltern erfahren nicht, was bspw. ein Jugendlicher/eine Jugendliche dem Therapeuten anvertraut. Es ist aber auch möglich, dass der Patient den Therapeuten von der Schweigepflicht entbindet - z.B. für den fachlichen Austausch mit Ärzten.

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Ist eine Psychotherapie nicht eher etwas für "Weicheier" und "Warmduscher"?

► Psychotherapie ist v.a. eine Heilmethode. Auch besonders "coole" Jungs und Mädels können psychische Probleme bekommen- oft auch psychosomatische.

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Brauchen viele Jugendliche statt einer Therapie nicht einfach Willenskraft und Selbstdisziplin?

 ► Hinter Erscheinungsformen von scheinbarer Trägheit, Faulheit oder Herumhängen können sich oft motivationale Defizite verbergen, die ihre Ursache bspw. in Identitäts- und Selbstwertproblemen, oder auch in depressiven Tendenzen haben können. Willenskraft und Selbstdisziplin mögen dort helfen, wo es um bewusste Abläufe geht. Sobald aber unbewusste Anteile, etwa in Form von inneren Konflikten, beteiligt sind, empfiehlt es sich meiner Überzeugung nach, eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, die diese berücksichtigt.

© Andreas Schopp, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, 80686 München Laim

Psychotherapie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene